Pfarrer Staude persönlich ungeschminkt

In dieser Rubrik schreibe ich, was mir zum Glauben und in der Politik und überhaupt in den Sinn kommt. Dies ist keine offizielle Äußerung der Gemeinde, sondern meine ganz persönliche durchaus nicht nur diplomatische Auffassung - vielleicht mag sie hilfreich aber auch herausfordernd sein. Ich behalte mir die Freiheit vor, auf Reaktionen nur zu antworten, wenn ich mag.

Meine Emailadresse: manfred.staude(at)elkb.de

23.10.18 Wahl der Kirchenvorstände in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
Am Sonntag wurden in allen Kirchengemeinden in Bayern die Kirchenvorstände neu gewählt. Die Amtsperiode von 6 Jahren ist schon ungewöhnlich lang und stellt für die Bewerber eine Hürde dar. Ich bin sehr froh, dass sich 10 Frauen und Männer für eine Kandidatur bereit gefunden haben. Kommt in einer Gemeinde kein Kirchenvorstand mehr zusammen, dann ist die selbständige Existenz der Gemeinde in Frage gestellt. Die Wahl ist basisdemokratisch auf dieser Ebene. Leider hört auf der übergeordneten Ebene der Landessynode die Basisdemokratie auf.

Die Landeskirche stellt die Kirchenvorstandswahlen als wichtiges Ereignis dar und sieht darin eine Chance für die Öffentlichkeitswirksamkeit der Kirche. das sit berechtigt. Traurig ist aber, dass die tatsächlichen Möglichkeiten der Kirchenvorstände aber doch erheblich begrenzt sind. In letzter Zeit habe ich von einigen Kirchenvorständen gehört, die sich von oberer Ebene schlecht behandelt gefühlt haben. Wenn es um wichtige Fragen für Gemeinden geht, kann es sein, dass vieles schon vorentschieden ist und die kirchengesetzlichen Spielräume sehr eng sind, das ist zu bedauern.

Mir ist es immer wichtig gewesen, dass ein Kirchenvorstand objektiv informiert wird, offen im Kirchenvorstand diskutiert wird, weitgehend einmütige Entscheidungen getroffen werden - mitunter ist die Zeit nicht reif für eine Entscheidung, wenn die Meinungen zu sehr gespalten sind. Doch unterschiedliche Meinungen können auch sehr wichtige Aspekte darstellen und der Heilige Geist richtet sich nicht unbedingt nach vordergründigen Mehrheiten, sondern wirkt gerne dort, wo die Liebe im Vordergrund steht.

20.1.17 Die russische Botschaft in Berlin hat gestern sehr freundlich Details zu dem Angebot der Gospelsterne angefragt. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

20.1.17 Was ist mit Aleppo?
Ich bin sehr verwundert. Am Heiligabend habe ich um eine Kollekte für den Wiederaufbau von Aleppo sammeln lassen. Offenbar war dies im Sinne der Gottesdienstbesucher. So eine hohe Kollekte haben wir noch niemals gehabt. Weit über 800.- Euro. Nun bemühe ich mich seit Wochen, eine Organisation zu finden, die genau diesen Wiederaufbau von Aleppo fördert - leider bisher Fehlanzeige. Ich werde weitersuchen, um möglichst bald unseren Beitrag zu leisten.
Ich entsinne mich noch ganz genau, wie sehr es in den Medien angeprangert wurde, dass Hilfsorganisationen in Waffenstillstandsphasen keinen Zutritt nach Ost-Aleppo bekammen. Dabei wurde niemals so richtig klar, was die Gründe für die Schwierigkeiten tatsächlich sind und wer den Zutritt verhindert.
Jetzt sind die Kampfhandlungen dort zu Ende. Die Stadt ist nun wieder zugänglich und Menschen sind in zerstörte Stadtviertel zurückgekehrt. Alle Hilfsorganisationen könnten dort jetzt konstruktive Aufbauhilfe leisten und eine neue Zukunft unterstützen und den Menschen Hoffnung geben. Das wäre doch endlich mal eine Investition in Zukunft.
Nur auf russischen Nachrichtenseiten sehe ich, wie im Osten Aleppos der Schutt weggeräumt wird, wie Häuser und Geschäftsgebäude wieder hergerichtet werden. Warum findet sich keine Organisation, die den Wiederaufbau unterstützen will? Auch das Ökumenereferat unserer Landeskirche konnte nichts dergleichen ausfindig machen.
Waren die Anklagen wegen nicht möglicher Hilfe für die Bevölkerung dort am Ende nur ein politisches Instrument und es ging gar nicht um Humanität, und ist das Desinteresse jetzt am Ende auch wieder ein politisches Kalkül? O, ihr armen Menschen, ihr tut mir so leid!!

5.1.17 Thermoquittungen. In letzter Zeit muss ich ja notgedrungen nach dem Tod meiner Frau mehr einkaufen gehen. Anstrengend finde ich die Vielzahl der Produkte, roher Schinken in bald 15 Ausführungen,  Unterschiede kaum erkennbar, doch mal mehr, mal weniger drin, da stehe ich dann etwas hilflos und es ist so ähnlich wie in der Politik: lauter Alternativen, doch es macht wenig Freude, sich dazwischen zu entscheiden.
Was mich aber immer mehr ärgert, das sind die Kassenzettel. Fürchterliche lange Zettel auf Thermopapier. Ich muss sie einge Male falten, das sie in den Geldbeutel passen. Den langen Anhang wegen Kartenzahlung spare ich mir, lieber nehme ich bares Geld zur Hand und in Empfang (darüber bald mal mehr). Bei jedem Geschäft ist das Datum an einer anderen Stelle (die EU vereinheitlicht zwar vieles, was nicht nötig wäre, aber erkennt nicht die Kassenzettelprobleme). Da ich aber Buch führe und seit dieser kleinen Mühe wesentlich bewusster haushalte und mehr Geld habe, suche ich dann jedes Mal eine Weile nach dem Datum. Gesund und umweltbewußt sind diese chemischen Zettel sicher auch nicht. Ich frage mich öfters wieder, wohin gehören die eigentlich? In den Restmüll wegen des Giftes oder geht es doch ins Altpapier? Am Schlimmsten ist es aber, wenn ich meine Buchung erst nach längerer Zeit mache. Diese Kassenzettel verbleichen und nach gar nicht so langer Zeit sind sie überhaupt nicht mehr lesbar. Sowas war früher eine Geheimschrift. Doch diese ist nicht mehr lesbar zu machen. Da müssen wir jahrelang Dokumente aufheben, Nachweise machen für Steuer, Bürokratie etc., und diese Belege werden einfach unberechenbar unleserlich! Eigentlich unfaßbar! Kann es denn so schwer sein, beständige Belege zu drucken? Meine Kirche verlangt im bürokratischen Sektor inzwischen von mir, dass ich in meiner wertvollen Zeit als Pfarrer für die Abrechnungen die Thermobelege nochmal im Kopierer ablichte, damit sie dauerhaft erhalten bleiben. Was für eine wenig seelsorgerliche Arbeit, die uns auf Trab hält. Wann startet endlich einmal eine Initiative, diese fürchterlichen Quittungen abzuschaffen und übersichtlich zu gestalten?

 

31.12.16
Die Tragödie, dass ein russisches Flugzeug mit einem Musikerensemble ins Schwarze Meer gestürzt ist, rührt mich tief an.
Ich möchte dem Ausdruck geben und mir fällt nur ein, dem russischen Präsidenten zu schreiben:

Beileidsbezeugung und Chorangebot

 An den Präsidenten der russischen Föderation Wladimir Putin

 Sehr geehrter Herr Präsident Putin,

mit Ihnen und den russischen Bürgern trauere ich um die Opfer des tragischen Flugzeugabsturzes, der mich zu Tränen rührt. Es ist ein schrecklicher Verlust, durch den das Alexandrow-Ensemble, das doch Trost und Ermutigung in Syrien spenden sollte, ein so schlimmes Ende fand.

 Ich bete für die Verstorbenen und Ihre Angehörigen und besonders, dass der schwere Weg in Syrien zur Wiedergewinnung von Recht und Frieden und zum Schutz für die Opfer von Terror gelingt und Ihre Solidarität mit um des Glaubens willen Verfolgten.

Ihnen als einem aufrichtigen, gewissenhaften Staatsmann gilt mein höchster Respekt. Ich kann nachvollziehen, wie schwer Entscheidungen in Ihrer Position zu treffen sind und wünsche Ihnen dazu weiterhin Weisheit, Klarheit, guten Geist und den Mut, unbeirrt auf das Gewissen zu hören.

Die Verantwortung besteht ja Gott gegenüber und nicht gegenüber der unausgewogenen Meinungsmache in den westlichen Ländern, für die ich mich stellvertretend schäme.

Ich kann Ihnen versichern, dass viel Deutsche, mit denen ich ins Gespräch komme, anders und ausgewogener unbd freundschaftlicher denken, als es in der Presse und in offiziellen Verlautbarungen zum Ausdruck kommt.

Als evangelischer Geistlicher in einer kleinen Kirchengemeinde in München freue ich mich hier über herzliche Unterstützung durch russische Musiker.

Unsere kleine Kirchengemeinde wurde auch zum Partner eines eindrucksvollen großen Gospelchores gewählt, die "Gospelsterne" (www.gospelsterne.de). Die "Gospelsterne" werden geleitet von dem Amerikaner Eric Bond, der früher im Musical "Jesus Christ Superstar" den Judas gespielt hat und dem das Evangelium in deutschen Gospelgesängen am Herzen liegt. Dieser Chor hat schon viele Herzen bewegt und mit dem Bischof der evangelischen Kirche in Bayern bereits in Bethlehem gesungen.

Gerne biete ich an, für Syrien oder die Opfer des Unglücks oder zu gegebenem Anlass zu singen.